FFA

Unser Statement zu „Etikettenschwindel“

„Pfaffen sollen beten und nicht regieren“. Nicht zum ersten Mal begegnet dieses Lutherzitat in den Texten der AfD. Zum Zeitpunkt der Reformation konnten geistliche und weltliche Macht durchaus in einer Hand liegen. 

Das wurde durch die Reformation kritisiert und in der Folge aufgelöst. 

Das Zitat trifft die Kirche in unserer Zeit nicht mehr. Werden in einer Kirchgemeinde zivilgesellschaftliche Fragen von übergreifender Bedeutung behandelt, so ist das nicht Ausdruck eines Regierungshandelns, sondern ein Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung aus christlicher Perspektive und Verantwortung. Die von Dr. Rolf Weigand kritisierte Veranstaltung mit Michael Kraske und seinem Buch „Tatworte“ greift eine solche Frage von übergreifender Bedeutung auf. Schon lange ist deutlich, wie eine radikalisierte öffentliche Sprache zur Radikalisierung der Gesellschaft beiträgt. Dem ist durch Analyse und Aufklärung Einhalt zu gebieten im Sinne eines friedlichen Miteinanders. So hat der Kirchenvorstand der Kirchgemeinde Petri-Johannis schon 2019 erklärt: 

„Hasserfüllte und verächtliche Sprache lehnen wir ab und rufen zu einem friedlichen Dialog darüber auf, wie wir heute und in Zukunft miteinander leben wollen. Wir wünschen uns, dass unsere Gesellschaft wieder von mehr Akzeptanz und gegenseitigem Respekt geprägt wird und wenden uns mit diesem Wunsch ganz besonders an Verantwortungsträger in Kirche, Politik, Medien und Gesellschaft.“ In diesem Statement spricht sich die gesellschaftliche Verantwortung aus, die von den Kirchen wahrgenommen wird. Hasserfüllte und verächtliche Sprache ist eine Form der Gewalt, die Menschen in ihrer gottgegebene Würde verletzt und zugleich den Nährboden für weiterführende Formen der Gewalt bildet. Sie widerspricht den friedensethischen Prämissen des konziliaren Prozesses. Michael Kraske analysiert in seinem Buch den Sprachgebrauch von politischen und öffentlichen Akteuren mit dem Ziel, hasserfüllte und verächtliche Sprache nicht als rhetorische Provokationen zu verharmlosen, sondern als wirkmächtiges Instrument zur Prägung von Haltungen und Einstellungen in einer Gesellschaft ernst zu nehmen. Die Analyse legt die anteilige Verrohung der politischen Kultur und der öffentlichen Rede offen und fordert damit zugleich dazu auf, sich in einer gewaltfreien Sprache zu üben, welche die Basis zu einem friedlichen Dialog und damit zu einem friedlichen Zusammenleben darstellt.

Dr. Weigand kritisiert neben dem Inhalt der Veranstaltung den zeitweisen Gebrauch der Förderlogos des Aktionsplanes „Toleranz ist ein Kinderspiel“ und – damit verbunden – des Logos des Landkreises für die Bewerbung der Veranstaltung. Der zeitweise Gebrauch beruhte auf einem Missverständnis in Bezug auf den Förderrahmen. Die Veranstaltung ist Teil einer Lese- und Gesprächsreihe, die den Titel „Im Gespräch mit…“ trägt. Für Teile dieser Reihe, wie einem mit Dirk Neubauer geplanten Abend im September, besteht eine Förderzusage im Rahmen des Aktionsplanes „Toleranz ist ein Kinderspiel“ des Landkreises Mittelsachsens. Eine solche Förderung hätte auch für einen ursprünglich mit Matthias Quent geplanten Abend zu seinem Buch „Deutschland rechts außen“ bestanden. Da der Autor absagen musste, wurde an seiner Stelle der Abend mit Michael Kraske geplant. Für den Abend mit Michael Kraske konnte eine Förderung aufgrund von Formfehlern im Antragsverfahren nicht gewährt werden. Unmittelbar nach Aufklärung des Landkreises über diesen Umstand, wurden die Werbematerialien und Veröffentlichungen korrigiert und die entsprechenden Logos umgehend entfernt. Für entstandene Irritationen bitten wir um Entschuldigung. Zugleich weisen wir die diffamierenden Worte von Dr. Rolf Weigand auf seinen Facebook-Account und dem Facebook-Account der AfD Mittelsachsen gegen Pfarrer Dr. Stahl, die Kirchgemeinde Petri-Johannis, das Netzwerk Freiberg für alle und die Agenda 21 zurück. Sind sind Ausdruck einer Freund-Feind-Rhetorik, die die Spaltung unserer Gesellschaft vorantreibt. Auch sie ist eine Form verbaler Gewalt.

Nur so können wir gesellschaftlich wieder zueinander finden.

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